Physiotherapie für Tiere

Eine Information
für
Tierbesitzer



Liebe Tierbesitzer,

wie viele von uns haben Sie vielleicht bereits am eigenen Körper festgestellt, wie wohltuend oder auch unangenehm, aber hilfreich Massage und Krankengymnastik für die Bewegung von Armen und Beinen und für einen schmerzenden Rücken sein kann.

Die Physiotherapie, wörtlich übersetzt „natürlich behandeln", hat sich in den letzten Jahren auch beim Tier als Rehabilitationsmaßnahme nach Unfällen und Operationen, bei der Behandlung schmerzender Gelenk  und Rückenprobleme oder auch als trainingsbegleitende Maßnahme im Sport vielfach bewährt. Aus dem Pferdesport ist der begleitende Pferdephysiotherapeut bereits nicht mehr wegzudenken.

Zur Physiotherapie zählen:

Die Massagebesteht aus einer auf das einzelne Tier angepaßten Kombination von Grifftechniken. Dadurch wird die Durchblutung in Haut, Unterhaut und Muskulatur und der Schlackenabtransport angeregt. Jeder, der bereits einmal massiert wurde, weiß wie befreit man sich fühlt, wenn Verklebungen einzelner Gewebeschichten gelöst wurden. Dieses Gefühl beflügelt auch unsere Tiere. Außerdem kann Massage Schmerzen lindern und damit den Verbrauch an Schmerzmitteln reduzieren.

Weitere Behandlungen, die ausschließlich mit den Händen durchgeführt werden nennt man manuelle Techniken. Darunter fallen die Lymphdrainage, die dem Schlackenabtransport z.B. bei angelaufenen Beinen dient, und Maßnahmen, mit denen die Gelenkbeweglichkeit und die Dehnfähigkeit der Muskulatur wieder hergestellt werden kann. Diese werden in der Regel in Kombination mit der Massage angewandt.

In der Krankengymnastikunterscheidet man sogenannte passive von aktiven Techniken. Bei passiven Techniken führt der Therapeut die Bewegung eines Beines ohne Muskelarbeit des Patienten durch, z.B. wenn Lähmungen bestehen und die Beweglichkeit des Beines erhalten bleiben soll. Bei den aktiven Techniken sind in der Regel Sie als Tierbesitzer gefordert, mit Ihrem Tier sogenannte aktive Bewegungsprogramme, wie Bergauf  oder Slalomlaufen, zu absolvieren. Diese Techniken werden zur Koordinationsschulung und natürlich zum Muskelaufbau eingesetzt.

Wenn unsere Tiere ein Bein lange geschont haben, dann verlernen sie genau wie wir Menschen, wie das Bein in gesundem Zustand eingesetzt werden soll. Wir Menschen werden dann zum Physiotherapeuten geschickt, der uns anweist, in welcher Situation wir das Bein anders stellen müssen und wir lernen auf diese Weise wieder einen normalen Gang. Das ist bei unseren Tieren in dieser Form nicht umsetzbar. Als Ersatz dafür haben wir jetzt ein individuell zum Einsatz beim Hund geeignetes Unterwasserlaufband entwickelt. Hier kann der Hund ohne seine Gelenke zu belasten laufen und der Therapeut führt die Bewegung des erkrankten Beines. Dadurch erlernt der Patient wieder seinen normalen Gang. Außerdem kann das Unterwasserlaufband zum Muskelaufbau und als Hilfsmittel zum Ausdauertraining beim Hund eingesetzt werden.

Häufig vom Besitzer selbst bereits angewandt werden die Kälte-  und die Wärmetherapie. In der Physiotherapie beim Tier kann ein zielgerichteter Einsatz der Kältetherapie aufgrund seiner schmerzstillenden, adstringierenden Wirkung sowie der Wärmetherapie aufgrund ihrer durchblutungsfördernden Wirkung eine sehr hilfreiche Unterstützung anderer Therapieformen sein.

Unter dem Begriff der Physikalischen Therapie sind die sog. technischen Anwendungen zusammengefaßt, zu denen die Elektrotherapie, dertherapeutische Ultraschall sowie die Magnetfeld- , die Licht-  und als deren Sonderform die Low-Level-Lasertherapie gehören. Allen Therapien gemeinsam ist, daß sie unterschiedlich erzeugte Energien in den zu therapieren den Körper hineinbringen und aktivierend wirken.

Die Elektrotherapie findet beim Tier insbesondere bei Lähmungspatienten Anwendung, um Muskelschwund vorzubeugen. Außerdem kann man die Elektrotherapie zur Schmerzstillung einsetzen und damit den Schmerzmittelverbrauch senken. Der therapeutische Ultraschall und die Low Level-Lasertherapie können zur Behandlung von Gelenk-, Sehnen- sowie Muskelverletzungen eingesetzt werden. Das pulsierende Magnetfeld wird zur Verkürzung der Heilungszeiten nach Gelenkoperationen und Knochenbrüchen sowie schmerzlindernd bei langsam fortschreitendem Gelenkverschleiß benutzt.

Der Erfolg der physiotherapeutischen Behandlung ist in der richtigen Kombination der Therapiemethoden begründet. Deshalb ist eine genaue Abklärung der Krankengeschichte Ihres Tieres vor Beginn der Behandlung erforderlich. Das macht eine intensive Zusammenarbeit zwischen Ihrem Tierarzt, Ihnen, Ihrem Tier und uns nötig.

Grundlage jeder erfolgreichen physiotherapeutischen Behandlung ist eine physiotherapeutische Befundung, die in ausgiebiger Form zu Beginn der Behandlung als Eingangsuntersuchung sowie zum Ende einer Behandlung als Abschlußuntersuchung durchgeführt wird, aber auch Bestandteil jeder dazwischen liegenden Therapiesitzung ist. Der Verlauf der physiotherapeutischen Behandlung ist vom individuellen Fall abhängig. Erfahrungsgemäß wird zunächst analog der Humanphysiotherapie eine Behandlungseinheit von 5-10 Behandlungen mit einer Dauer der Einzelbehandlung von 20-45 Minuten angesetzt, die nach der Gebührenordnung für Tierärzte abgerechnet wird.

Wir sind uns der Tatsache bewußt, daß Sie möglicherweise einen Anfahrtsweg von bis zu 100 km pro Behandlung haben werden. Deshalb werden wir bemüht sein, im Anschluß an unsere Eingangsuntersuchung mit Ihnen einen genauen Behandlungsplan aufzustellen. Dabei sind wir bestrebt, Ihnen, wenn Sie es sich zutrauen, Übungen zu zeigen, die Sie zwischen den einzelnen Behandlungen zu Hause mit Ihrem Tier durchführen können.
Eine gute, regelmäßige Übung zu Hause spart Ihnen Zeit und Geld!

Die Physiotherapie ist, wie wir Ihnen zuvor hoffentlich verdeutlichen konnten, eine Behandlungsmethode basierend auf den natürlichen Funktionskreisen des Körpers.
Deshalb kann sie unter anderem eingesetzt werden:

•    Vor und nach Operationen
       zum Muskelaufbau und zur Erhaltung/Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit, um die       
       Heilungsphase zu verkürzen & das Ausheilungsergebnis zu verbessern.

 •     Zur Vorbeugung von Gelenkverschleiß
       Erhaltung/Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit und Schulung des Gangbildes bei Tieren mit
       Gelenkfehlstellungen (z.B. HD) oder Sporttieren

•      Bei chronischen Schmerzpatienten
       als begleitende schmerzmindernde, medikamentenreduzierende Maßnahme

•     Zur Rehabilitation von Lähmungspatienten
       Erhaltung der Gliedmaßenbeweglichkeit/Muskelfunktion und Koordinationsschulung
       mit dem Ziel der Erhaltung/Verbesserung physiologischer Reflexmuster.

•    Beim alten Tier
       Erhaltung/Verbesserung der Beweglichkeit und Ausdauer unter Ausnutzung der herzstärkenden und       
       euphorisierenden Wirkungen der Behandlung mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität und
       Reduktion der Medikamentengabe.

Bei schwerer Herzerkrankung, Tumorerkrankungen, generalisierten Hauterkrankungen und fieberhaften Allgemeininfekten sollte von einer physiotherapeutischen Behandlung abgesehen werden. Darüber hinaus gibt es einige Erkrankungen, bei denen Nutzen und Risiko einer physiotherapeutischen Behandlung abgewogen werden müssen.



Wir hoffen, Ihnen mit dieser Information einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten der Physiotherapie bei Tieren gegeben zu haben.

Haben Sie noch Fragen zu diesem Thema oder zum Zeitpunkt oder Verfahren einer Überweisung/Behandlung, dann stehen wir Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite.

TEL.   0511-804602
FAX:  0511-804649

Ihr Team des Physiotherapiezentrums an der
Hildesheimer Str. 386
30519 Hannover-Wülfel

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